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Nach der Erschöpfung die Zuversicht

In der nächsten Woche bin ich viel unterwegs – im Wendland und in Lüneburg, in Wilhelmshaven und im Heidekreis, in Rothenburg/W. und Osterholz-Scharmbeck. Einmal Niedersachsen satt, könnte man sagen. Die Anlässe sind unterschiedlich, aber das Thema oft dasselbe: Wir geht´s jetzt weiter in den Regionen nach den bleischweren Corona-Monaten? Meine Gesprächspartner werden denkbar unterschiedlich sein, von der IHK in Lüneburg über Bürgerinnen und Bürger, die mit mir wandern wollen, bis hin zum Flüchtlingsprojekt. Und so war es auch schon in den letzten Wochen – interessante Gesprächsrunden mit Künstlern, Studierenden oder in Schulen und Krankenhäusern zum Beispiel. Ich versuche gewissermaßen, den Regionen in Niedersachsen den Puls zu fühlen.
Was mir bis jetzt oft begegnet ist, war eine gewisse Erschöpfung. Die letzten Monate haben vielen Menschen viel abverlangt, sie sind an die Substanz gegangen. Jetzt ist ein wenig so, als ob viele von ihnen sich erst langsam wieder an das alte Leben herantasten müssen, als ob sie dem Braten noch nicht ganz trauen würden. Ich kann das gut verstehen, mir selbst geht es auch nicht so viel anders. Am Samstag mit meiner Frau in der hannoverschen Innenstadt einfach mal wieder Einkaufen zu gehen, war noch ungewohnt und das erste gezapfte Bier nach langer Zeit etwas ganz Besonderes.
Richtig ist auch, dass wir in den nächsten Monaten vorsichtig bleiben müssen. Das Virus ist ja immer noch in der Welt und unsere Gesellschaft noch längst nicht durchgeimpft. Vor uns liegen sicher auch noch Herausforderungen im Zusammenhang mit Mutationen. Deswegen habe ich auch deutliche Zweifel, generell die Maskenpflicht in Frage zu stellen. In bestimmten Bereichen geht das bei niedrigen Inzidenzen jetzt schon, zum Beispiel am Sitzplatz in der Gaststätte. Aber im ÖPNV werden diese Vorsichtsmaßnahme in den nächsten Monaten sicher noch brauchen.
Und dennoch: Wir sind jetzt einfach einen Schritt weiter und können auch wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken. Trotz mancher Widrigkeiten bei der Impfstoffversorgung sind immer mehr Menschen vollständig geimpft – am Ende des Monats sollen es in Niedersachsen etwa 30 Prozent sein und bei den Erstimpfungen hoffentlich knapp das Doppelte. Und auch ansonsten gibt es spürbar mehr gute Nachrichten, die Wirtschaftsinstitute erwarten jetzt zum Beispiel einen deutlich stärkeren Aufschwung als noch vor kurzem.
Nach der Erschöpfung können wir jetzt eine Dosis Zuversicht gebrauchen, finde ich – auf niedersächsisch vernünftige Weise natürlich. Auch dafür will ich gerne bei meinen Besuchen werben.
Ich wünsche Euch eine schöne Woche.