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Eine verrückte Woche in einer verrückten Zeit

Es sind schon außergewöhnliche Zeiten, die wir derzeit erleben. In der letzten Woche habe ich das besonders drastisch erlebt mit täglich wechselnden Themen und Gefühlen:
Am Montag …
hat mir Carola Reimann vormittags völlig überraschend erklärt, dass sie aus gesundheitlichen Gründen sofort von ihrem Amt als Niedersächsische Sozialministerin zurücktreten müsse.
 
Wir haben jetzt mehr als dreieinhalb Jahre sehr eng zusammen gearbeitet und gerade in der Corona-Krise natürlich besonders intensiv. Carola Reimann hat sich mit hoher Kompetenz unermüdlich in den Dienst der Pandemiebekämpfung gestellt.
 
Das Sozialministerium und ihre Ministerin haben dabei eine besondere Verantwortung, gerade in schweren Phasen. Herzlichen Dank für dieses großartige Engagement und gute Genesung, Carola!
Am Dienstag …
konnte ich dann aber schon eine Nachfolgerin als neue Sozialministerin präsentieren. Ministerin Daniela Behrens war viele Jahre Landtagsabgeordnete und in der letzten Legislaturperiode Staatssekretärin im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium.
 
Mir haben damals vor allem ihr pragmatischer Antritt, ihre Durchsetzungskraft und ihre Kommunikationsfähigkeit imponiert – alles Eigenschaften, die in den nächsten Monaten in der Corona-Krise besonders gefragt sein werden.
 
Auf meine völlig überraschene Anfrage hin hat Daniela Behrens sehr schnell zugesagt und darüber habe ich mich riesig gefreut. Alles Gute in diesem schwierigen Amt!
Am Mittwoch …
konnte ich einen neuen – durchaus zweifelhaften – persönlichen Rekord verzeichnen: Fünfzehneinhalb Stunden ununterbrochen in Videokonferenzen toppen noch einmal alle bisherigen Erfahrungen.
 
Aber das Thema war dafür wichtig genug – die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidentenkonferenz haben den weiteren Kurs in der Corona-Krise festgelegt.
 
Das war nicht einfach, denn die Ausgangslage ist sehr zwiespältig. Auf der einen Seite sehnen sich viele, viele Menschen nach den langen Lockdown-Wochen endlich wieder nach etwas mehr Normalität.
 
Aber andererseits gehen die Infektionszahlen nur sehr langsam zurück (zum Beispiel in Niedersachsen) oder sie steigen sogar wieder an (auf Bundesebene).
Unter diesen Bedingungen haben wir uns für schrittweise, kontrollierbare und rückholbare Lockerungen entschieden, mit denen in dieser Woche beginnen und die dann nach und nach fortgesetzt werden.
 
Was mich besonders freut, vor allem Kinder haben etwas davon – mehr Kontaktmöglichkeiten, mehr Kita- und Schulbesuch und auch der Kindersport geht wieder los.
 
Das Tempo der weiteren Lockerungen hängt von der Infektionslage in den einzelnen Ländern und Regionen statt und ab dem Inzidenzwert 100 bleibt es weitgehend bei den bisherigen Maßnahmen. Wir müssen die Infektionen unbedingt unter Kontrolle halten, damit wir nicht gleich wieder in eine dritte Welle hinein gehen.
Dabei soll eine große Test-Kampagne helfen: In den Schulen und am Arbeitsplatz soll möglichst einmal in der Woche getestet werden und für alle anderen Bürgerinnen und Bürger werden flächendeckend Teststrukturen aufgebaut.
 
Wenn es gut läuft, können tagesaktuelle Negativatteste dann in der Zukunft die Grundlage dafür sein, in gesicherten Zonen mehr Angebote nutzen zu können. Wenn beispielsweise dann irgendwann alle Kino-Besucher solche Nachweise hätten, könnten auch die Kinos neue Perspektiven haben.
Am Ende dieser schwierigen Beratungen hatte ich jedenfalls das gute Gefühl, dass wir wirklich einen Schritt weiter gekommen sind.
Am Donnerstag …
kam dafür gleich danach die nächste kalte Dusche. Eine enge Mitarbeiterin aus der Staatskanzlei hat sich leider mit Corona infiziert und alle direkten Kontaktpersonen wurden in die Quarantäne geschickt.
 
Bis Ende dieser Woche habe ich also Hausarrest, aber mir geht´s gut. Ich bin negativ getestet und denke weiter positiv. Trotzdem, es ist eine seltsame Erfahrung, aber die haben schon viele tausend Menschen in Niedersachsen vorher machen müssen. Verrückte Zeiten eben!
Ich wünsche Euch eine gute Woche!