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Eine andere Welle

Es geht wieder los – ich habe meinen Urlaub hinter mir, der Akku ist wieder voll aufgeladen. Das ist auch nötig, denn in den nächsten Wochen wird viel los sein.
 
In vier Wochen sind die Kommunalwahlen in Niedersachsen, in sechs Wochen die Bundestagswahlen und davor bin ich rauf und runter in Niedersachsen unterwegs. Vielleicht sehen wir uns ja – es wird jedenfalls viele Gelegenheiten geben.
Es geht wieder los, das gilt leider auch für die Pandemie. Die Infektionszahlen steigen jetzt schon seit einigen Wochen kontinuierlich an und ebenso steigen die Sorgen, allerdings in ganz unterschiedlicher Hinsicht.
 
Die einen fürchten die gesundheitlichen Risiken, die anderen einen neuen Lockdown. Umso wichtiger wird es sein, dass die Politik verlässlich und nachvollziehbar ihren Kurs bestimmt.
Es gibt erhebliche Unterschiede zwischen den bislang drei großen Infektionswellen, die wir in den letzten anderthalb Jahren erlebt haben, und der gegenwärtigen Situation.
 
Einerseits ist die sogenannte Delta-Variante erheblich ansteckender als ihre Vorgänger und deswegen müssen wir uns auf eine weitere Verbreitung einstellen, vor allem nach der Urlaubszeit.
 
Aber andererseits sind die meisten von uns und damit auch die Gesellschaft inzwischen wesentlich besser geschützt. In Niedersachsen sind etwa zwei Drittel der Bevölkerung einmal und über fünfundfünfzig Prozent zweimal geimpft.
 
Vor allem bei den älterern Jahrgängen ist die Quote noch einmal wesentlich höher und dort hatten wir bislang die mit Abstand höchsten Todeszahlen. Damit wird Corona tatsächlich zu einer „Pandemie der Ungeimpften“, wie es US-Präsident Biden auf den Punkt gebracht hat.
Das ist ein ganz entscheidender Unterschied zu den bisherigen Infektionswellen, in denen keine andere Möglichkeit bestand als Kontakte so gut als möglich zu unterbinden. In dieser neuen Situation können und müssen wir deutlich stärker differenzieren.
 
Auch wenn ein hundertprozentiger Schutz leider nie versprochen werden kann – Geimpfte und Genesene sind gut vor Infektionen geschützt, haben allenfalls milde Verläufe zu erwarten und sind in aller Regel kein Risiko für ihr Umfeld. Deswegen wäre ihnen gegenüber ein weiterer Lockdown auch nicht begründbar.
Bekanntlich sind aber noch nicht alle Menschen geimpft, obwohl es für die meisten keinen Hinderungsgrund gibt. Für die noch nicht geimpften Mitbürgerinnen und Mitbürger wird das Leben sicher aufwändiger werden.
 
Bei vielen Gelegenheiten werden aktuelle Negativtests verlangt werden und diese Tests werden ab Mitte Oktober in den meisten Fällen auch selbst zu bezahlen sein. Es gibt dazu übrigens eine einfache Alternative – sich einfach impfen lassen!
Etwa fünfzehn Prozent der Bevölkerung können sich dagegen leider nicht impfen lassen, weil für Kinder noch kein Impfstoff zugelassen ist oder aus medizinischen Gründen.
 
Schülerinnen und Schüler werden deswegen auch in Zukunft kontinuierlich getestet und am Anfang des Schuljahrs in Niedersachsen sogar täglich. Wir wollen unbedingt erneute Schulschließungen vermeiden und von Anfang an Infektionsketten unterbrechen.
Und wenn dennoch die Zahlen steigen? Dann werden wir nicht nur auf die Infektionszahlen schauen, sondern vor allem auch auf die Zahlen aus den Krankenhäusern. Am Anfang der Corona-Krise stand die sehr ernst gemeinte Aussage, allen kranken Menschen im Falle eines Falles eine gute medizinische Versorgung zusagen zu können.
 
Diese Zusage konnte bis jetzt eingehalten werden und durch die hohe Impfquote bei den älteren Menschen dürfte die Belastung der Intensivstationen in einer neuen Welle eher geringer ausfallen. Aber die Funktionsfähigkeit unseres Gesundheitswesens bleibt auch jetzt der entscheidende Maßstab, der am Ende unser Vorgehen bestimmen muss.
Unter dem Strich: Wir werden eine vierte Welle wieder sehr ernst nehmen müssen, aber wir haben inzwischen auch neue Perspektiven, wie wir mit der Pandemie umgehen können. Vorsicht ja, aber Angst ist auch jetzt kein guter Ratgeber.
Ich wünsche Euch eine gute Woche.