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Corona und „die Politik“

Habt Ihr das letzte Polit-Barometer des ZDF gesehen? Ein Ergebnis war besonders interessant, die Antworten auf die Frage „Akutell geltende Corona-Maßnahmen sind …“. Ergebnis: 26 % halten die Maßnahmen für übertrieben, 31 % für gerade richtig und 36 % sind für einen härteren Kurs. Die dritte Gruppe hat sich in den letzten vier Wochen verdoppelt, vor einem Monat war die Mehrheit noch für Lockerungen. Jedenfalls gibt es sehr unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema, das unsere Gesellschaft geradezu spaltet.
Nur in einem Punkt sind sich derzeit viele wohl einig, „die Politik“ macht´s falsch. Nun gibt es zugegebenermaßen jede Menge Grund zur Kritik, in dieser Woche zum Beispiel die Mallorca-Entscheidung und das Durcheinander bei der „Oster-Ruhe“. Das ist ärgerlich und sorgt zwangsläufig für einen Vertrauensverlust, der gerade jetzt inmitten einer dritten Infektionswelle besonders schwer wiegt. Und auch davor ist manches nicht gut gelaufen, von zu wenig Impfstoff in Europa und Deutschland bis hin zu einem Holper-Impfstart bei uns im Land.
 
Dennoch, insgesamt schneidet Deutschland im internationalen Vergleich bis jetzt ziemlich gut ab. Die meisten anderen europäischen Staaten zum Beispiel hatten und haben Ausbrüche zu verzeichnen, die uns in dieser Dimension bislang erspart geblieben sind. Entsprechend einschneidend sind dort auch Einschränkungen ausgefallen, die wir so bis jetzt ebenfalls noch nicht hatten. Bei aller berechtigen Kritik im einzelnen sollte dieses Gesamtbild auch im Hinterkopf sein.
Vor allem aber ist „die Politik“ natürlich ebenso wenig aus einem Holz geschnitzt wie „die Bürger“. Auch in der Politik gibt es diejenigen, die einen sehr harten Kurs verfolgen, genauso wie die, denen es mit den Öffnungen gar nicht schnell genug gehen kann. Und schließlich solche, die der Sicherheit den Vorrang einräumen, aber auch immer wieder Chancen nutzen wollen für mehr Normalität. Zu dieser Gruppe zähle ich auch mich selbst.
 
Die kontroverse Diskussion in der Bevölkerung wird also stellvertretend auch in der Politik ausgetragen. Am Ende müssen aber natürlich auch Ergebnisse stehen, die uns helfen, diese Krise zu überwinden. Und Bürgerinnen und Bürger, die aus eigener Einsicht heraus vorsichtig sind und ihre Kontakte einschränken. Sonst kann es nicht funktionieren, Politik hin oder her.
Was heißt das für Niedersachsen? Wir befinden uns ohne Zweifel in einer dritten Welle mit täglich stark steigenden Infektionszahlen. Deswegen kommen wir auch nicht darum herum, den Infektionsschutz weiter zu intensivieren. Neben den schon geltenden Maßnahmen werden künftig auch Ausgangssperren in Niedersachsen verstärkt notwendig sein, um hotspots in den Griff zu bekommen. Andere Maßnahmen kommen noch dazu.
Das ist aber nicht alles. Nach Ostern soll es wesentlich mehr Tests geben – in den Schulen, am Arbeitsplatz und auch bei derzeit etwa viertausend Teststellen über in ganz Niedersachsen. Je mehr Tests es gibt, desto früher können wir Infektionen erkennen und Infektionsketten stoppen. Aber Tests bieten noch eine andere Chance: Wo nur Menschen zusammenkommen, die negativ getestet sind, können auch wieder mehr Angebote in Anspruch genommen werden. Das wollen wir in Modellprojektien nach Ostern ausprobieren, auf die Ergebnisse bin ich sehr gespannt.
Und übrigens: Auch mit dem Impfen geht es spürbar voran. In den vergangenen zehn Tagen hat es fast 310 000 Impfungen gegeben, über 1,2 Millionen sind es jetzt insgesamt. Bei allem Frust über die dritte Welle und den deswegen notwendigen Maßnahmen, auch die positiven Perspektiven werden immer sichtbarer.
Ich wünsche Euch allen eine schöne Woche und schöne Ostern. Und wenn Ihr Euch selbst einen Gefallen tun wollt: Ganz ruhige Ostern mit ganz wenigen Kontakten!